Seit einiger Zeit bekommen wir im Büro immer wieder Meldungen zum Thema Ratten auf dem Helmholtzplatz. Darum habe ich zu einem Infoabend mit Dr. Myriam Schröder, Tierärztin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), eingeladen. Für alle, die nicht dabei sein konnten, das Wichtigste in möglicher Kürze.
Myriam Schröder veratnwortet am IZW zentrale tiermedizinische Themen – von Wild- und Zootierkrankheiten über Forschungsvorhaben an Wildtieren bis hin zu Tierseuchen, Tierschutz und Mensch-Tier-Konflikten. Sie engagiert sich zudem im vom Berliner Senat geförderten Projekt „Wildtiernah Berlin“.
Ratten und ihre Lebensweise
Nagetiere sind Allesfresser, haben ein großes Lernvermögen und sind überaus anpassungsfähig. Bei den Tieren, die wir vermehrt auch tagsüber zu Gesicht bekommen, handelt es sich vorwiegend um die aus Ostasien stammende Wanderratte (Rattus nowegicus).
Wanderratten leben in sehr großen Familienverbänden mit bis zu 200 Tieren und vermehren sich das ganze Jahr über.
- Tragzeit 24 Tage, 4-7 oder mehr Würfe pro Jahr mit 5-20 Jungtieren,
- Geschlechtsreife mit 3 Monaten, 1 Paar also zwischen 100 und 150 Nachkommen im Jahr
- Lebensdauer 4 Jahre
- Im Vergleich zu Hausratten aggressiver
Übertragung von Krankheitserregern
Für den Menschen entstehen nicht nur durch die Nagetätigkeiten Schäden, sondern es besteht bei intensivem Kontakt immer die Gefahr von mikrobiell infizierten und verunreinigten Stoffen. Die Erreger halten sich lange im Kot, selbst wenn er zu Staub wird. Es handelt sich um humanpathogene Erreger wie
- Salmonellen
- Leptospiren
- Hantaviren
- Ektoparasiten können Haustiere oder den Menschen befallen und pathogene Erreger verbreiten
Umso wichtiger ist es, die gesetzlichen Regelungen in Berlin zu kennen. Rattenbefall in Berlin ist meldepflichtig und dies bitte unverzüglich beim zuständigen Gesundheitsamt bzw. Ordnungsamt. Auf öffentlichem Grund ist für die Bekämpfung das Bezirksamt zuständig, in Wohnungen die Eigentümer oder Hausverwaltung. Als Bekämpfungsmaßnahme ist die Verwendung von Giften eine umstrittene Maßnahme, da trotz gezieltem Einsatz ein Restrisiko für andere Lebewesen und eben auch Kinder bleibt.Darum müssen wir für Ratten die Städte möglichst unattraktiv zu machen.
Ratten die Lebensgrundlage entziehen
Langfristig wirksam ist es, Ratten die Lebensgrundlage zu entziehen. Dazu können ein koordiniertes Vorgehen innerhalb der Stadtverwaltung zusammen mit der Bevölkerung beitragen, indem Abfälle richtig entsorgt und Nahrungsquellen sowie Unterschlupfmöglichkeiten vermieden werden.
Als Vorbeugemaßnahmen gelten:
- Vergitterung, Verschluss von Einwanderung
- Entfernung von Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten
- Entfernung von Futterquellen (Müllvermeidung, dichtschließende Tonnen)
Daher sollte gerade Essensmüll immer sofort entsorgt werden und unzugänglich sein für die Nagetiere.
Wenn der Befall und eine hohe Population erst einmal eingezogen sind, gilt es folgende Maßnahmen zu treffen:
- Befallsermittlung, Artbestimmung
- Vorköderung: Giftköderanwendung durch zugelassene, zertifizierte Schädlingsbekämpfer
Ratten füttern verboten
Frau Schröder hat klar gemacht, dass bei einem Rattenbefall das zuständige Bezirksamt anordnet, dass das Füttern wildlebender oder verwilderter Tiere verboten ist. Bisher ist das nicht passiert. Hier wollen wir in den nächsten Wochen Druck machen. Das Gesundheitsamt bzw. Ordnungsamt muss am Helmholtzplatz dringend handeln.
Vertiefende Informationen sind auf folgenden Internetseiten abrufbar:
Vielen Dank an Dr. Myriam Schröder für den interessanten Vortrag!
Foto: Philipp Neuberger
